Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Reisebericht Fuerteventura 9.6.2015 bis 23.6.2015


Im Juni 2015 stand mal wieder ein Urlaub in südlichen Gefilden an. Diesmal ging es auf die Kanareninsel Fuerteventura. Hier herrschen zwar nicht die ganz optimalen Bedingungen wie in Teneriffa oder La Palma, aber trotzdem hat man hier auf 28°08' nördlicher Breite schon deutlich südlicheren Sternenhimmel, als am Mittelmeer oder gar in Mitteleuropa. Außerdem war ich noch nie im Sommer auf den Kanaren, meist immer im Januar/Februar, so dass sich hier auch mal ganz andere Ansichten boten (Sommermilchstraße etc.). Den ganz klaren Himmel hat man auf Fuerteventura natürlich nicht (dachte ich zumindest), da hier die Höhe fehlt (600m maximal sind natürlich keine 2500m). Das Hotel "Esmeralda Maris" lag relativ günstig am Ortsrand von Costa Calma, ein kurzer Spaziergang reichte aus, und man hatte annehmbaren dunklen Himmel mit freiem Blick von Südost bis Südwest/West übers Meer ohne Lichtquellen in dieser Richtung. Es war dort allerdings immer stark windig. Außerdem hatte das Appartement einen Innehof (Patio), der auch von jeglichem direkten Fremdlicht geschützt war und natürlich den Vorteil hatte, dass man auf der Liege windgeschützt beobachten konnte. Der Nachteil hier bestand in dem nicht direkt sichtbaren Polarstern und natürlich darin, dass durch die umgebenden Wände nur Objekte bis ca. -40° Deklination sichtbar waren. Wobei das für mitteleuropäische Verhältnisse auch schon was ist. Ich nutzte beide Beobachtungsmöglichkeiten: für Übersichtsaufnahmen und südlichere Objekte stellte ich mich ins Sandstrahlbeläse in die Landschaft. Vom Innenhof aus sichtbare Objekte beobachtete ich auch dort (hier ein Foto vom Innenhof).

Und nun noch eine Übersichtsaufnahme der Gegend mit dem Hotel und dem Beobachtungsplatz von einem nahegelegenen Berg aus. Bevor Fragen aufkommen: Ich hatte keine Lust die Ausrüstung durch den Sand auf den Berg zu schleppen und dort wäre wahrscheinlich eh alles weggeweht worden. Die Hoppelpiste war nachts so gut wie nicht befahren. Der Blick geht hier vom Berg Richtung Nord bis Nordost, die Beobachtungshauptrichtung lag also eher entgegengesetzt zu der des Übersichtsfotos.


Am 10.6. besuchte ich nach dem Ende der Dämmerung erstmals den Beobachtungsplatz auf der Freifläche. Jetzt stand der Zentauer optimal im Süden, so dass ich versuchen wollte, den Kugelsternhaufen Omega Zentauri und die Galaxie Zentaurus A abzulichten. Hierzu verwendete ich dem Meade ETX und die ALCCD 5/II. Dummerweise hatte ich das Okular in Deutschland vergessen, so dass mir zum Aufsuchen der Objekte nur der Tabletbildschirm mit dem Livebild blieb. Das Gesichtsfeld war so natürlich nur mínimal. Omega Centauri war noch leicht zu finden, da er im Zielfernrohr sichtbar war. Hier ist das beste Bild vom Sternhaufen. Belichtungszeiten waren hier nur im Sekundenbereich möglich, mehr ist mit dem Nanotracker und dem ETX nicht drin. Das Stativ war wegen des Windes in der untersten Stellung und als Schutz stellte ich mich noch davor. Da der Wind immer aus N/NO kam, war das kein Problem. Ingesamt wurde das Bild 62 x 12 Sekunden belichtet.

Bei Zentaurus A sah die Sache anders aus. Es kostete mich ca. eine 3/4 Stunde um das Teil zu finden. Im Zielferrohr war die Galaxie nicht sichtbar und beim Livebild mir 1 Sekunde Belichtungszeit war auch noch nichts sichtbar. Man konnte sie erst ab 6 Sekunden erahnen. So dauerte die Suche nach der try/error Methode dementsprechend lange. Letztendlich gelang es mir aber doch, sie auf den Chip zu bringen. Belichtet wurde Zentaurus A insgesamt 22 x 28 Sekunden.


In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni versuchte ich mich im Innenhof am Zentrum der Milchstraße im Schützen und Skorpion. Dazu verwendete ich zuerst die Canon EOS 40Da und das Kit-Objektiv EFS 18-55mm bei 50mm Brennweite. Es enstand ein Foto, welches das Zentrum der Milchstraße mit den Sternhaufen M6 und M7 zeigt, sowie die Nebel M8 (Lagunennebel), NGC 6357 und NGC 6334 (Katzenpfotennebel). Das Foto wurde insgesamt 25 x 60 Sekunden bei 1600 ISO belichtet.

An einem guten alten bekannten versuchte ich mich in der Nacht auch. Die südliche Feuerradgalaxie M83 stand auf dem Plan. Dazu benutzte ich auch die Canon EOS 40Da und hier das 2.8/135 Teleobjektiv von Carl Zeiss Jena. Leider war die Einnordung des Nanotrackers noch nicht perfekt, so dass die Sterne leichte Striche sind. Belichtet wurde das Objekt 12 x 41 Sekunden bei 1600 ISO.


Der astronomisch gesehen beste Tag des Urlaubs war sicher der 15.6. Zum einen war schon die Nacht vom 14. auf den 15.6. sehr klar. Deswegen begab ich mich nach Mitternacht wieder in den Innenhof um ein paar Fotos von Objekten der Milchstrasse aufzunehmen. Ich verwendete die Canon EOS 40Da und das 2.8/135 Teleobjektiv von Carl Zeiss Jena. Zuerst fotografierte ich die Gegend um Antares mit den Reflexionsnebeln IC 4603/04, IC 4605 und IC 4606. Der letztere ist im Gegensatz zu den meisten Reflexionsnebeln rötlich, da er vom rötlichen Stern Antares beleuchtet wird. Auf dem Bild sind auch noch die Kugelsternhaufen M 4 und NGC 6144 zu sehen sowie der Emissionsnebel SH2-9. Die Belichtungszeit lag bei 13 x 41 Sekunden mit 1600 ISO Empfindlichkeit.

Bei dieser Aufnahme stellte ich fest, dass die Einnordung des Nanotracker noch nicht gut war. Ich korrigierte dies noch einmal und ging danach zur Belichtung des Hauptobjekts der Nacht über. Dieses wollte ich auch mal wirklich lange belichten. Es handelt sich um meinen Lieblingsnebel am Sommerhimmel, den Katzenpfotennebel NGC 6334. Dieser ist, wie auch der benachbarte Hummernebel NGC 6357 von Mitteleuropa aus nicht sichtbar. Hier auf den Kanaren steigt er aber schon recht hoch über den Horizont. Ich belichtete die zwei Nebel (sind im selben Bildfeld) insgesamt 76 x 41 Sekunden bei 1000 ISO Empfindlichkeit. Hier sind nun zwei Ausschnitte aus dem Gesamtbild. Das obere zeigt den Katzenpfotennebel und das untere den Hummernebel.


Zum Schluss, es war mittlerweile 3 Uhr, ertsellte ich noch eine Aufnahme der beiden hellen Sternhaufen M 6 und M 7.

Der ganze 15.6. war relativ klar, am Tag bildeten sich zwar einige Quellwolken, aber gegen Abend wurden diese wieder weniger und fielen nach Sonnenuntergang vollständig zusammen. Es war der klarste Tage des Urlaubs, auch die Nacht vom 15. zum 16.6. war sehr gut. Gegen 21 uhr suchte ich deswegen den Beobachtungsplatz auf der Freifläche auf, um einige Panoramafotos des südlichen Himmels aufzunehmen. Hier ist erst mal ein Bild der Umgebung kurz vor Sonnenuntergang. Venus war da schon sichtbar.


Gleich nach Ende der Dämmerung richtete ich die Kamera auf den Zentauren, der jetzt auch direkt im Süden stand. Die Luft war so klar, das man hellere Sterne mit bloßem Auge bis zum Horizont hin (also dirket bis zur Oberfläche des Atlantiks) sehen konnte. So waren die obersten drei Sterne des Kreuz des Südens und Alpha und Beta Cenaturi mit bloßem Auge sichtbar. Das ist auch auf den Kanaren in der geringen Höhe überm Meer eher selten. Ich habe das Kreuz des Südens von Teneriffa aus zwar schon gesehen, aber da war ich in über 2000 m Höhe. Auf dem Bild sind auch einige der Deep Sky Objekte in den Sternbildern Zentauer und Wolf zu erkennen. Das Foto wurde mit der Canon EOS 40 Da, dem Canon EFS 10-18mm bei 18 mm Brennweite aufgenommen. Es wurde 22 x 60 Sekunden bei 800 ISO Empfindlichkeit belichtet.


Das zweite Objekt des Abends war die aufgehende sommerliche Milchstraße vom Skorpion zum Schild. Aufgenommen wurde mit derselben Ausrüstung wie das Bild vorher. Belichtet wurde 15 x 60 Sekunden bei 1600 ISO. Es sind viele Nebel und Sternhaufen innerhalb der Milchstraße zu erkennen.



Die Nacht vom 19. zum 20.6. nutzte ich noch, um mal einen Zeitrafferfilm vom Sternenhimmel im Innenhof des Appartements zu erstellen. Ein Film von der Freifläche wäre sicher eindrucksvoller, aber mir fehlte definitiv die Lust, mich die ganze Nacht in den Sturm zu stellen. Und das Equipment zwecks automatischer Belichtung irgendwo im nirgendwo allein zu lassen, kam auch nicht in Frage. In der zweiten Woche des Urlaubs waren die äußeren Bedingungen ohnehin nicht mehr ganz so gut. Bis ca. 10° Höhe war immer eine Dunstschicht vorhanden (eigentlich normal auf den Kanaren auf Meeresspiegelhöhe). Das Kreuz des Südens und Aplha und Beta Centauri erwischte ich also nicht noch einmal. Deswegen war die begrenzte Horizontsicht im Innenhof auch nicht ganz so tragisch. Der Film gibt ganz gut das wieder, was auch mit bloßem Auge gesehen werden konnte. Ich begann mit den Aufnahmen gegen 22 Uhr bis ca. 5:30 Uhr, alle zwei Minuten ein Bild mit einer Minute Belichtungszeit. Während der Belichtung musste ich einmal den Akku der Kamera wechseln (Wecker gestellt), ansonsten lief sie automatisch.