Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Der Messiermarathon in der Nacht vom 7. auf den 8. April 2018

aufgenommen in Celle

Eigentlich hatte ich mir schon lange einmal vorgenommen, einen Messiermarathon durchzuführen. Bei diesem werden in einer Nacht idealerweise alle 110 Messierobjekte beobachtet oder es wird zumindest versucht das zu tun. Das ist, wie schon erwähnt, das Ideal. Realistisch gesehen geht das aber nur von einem Ort aus, der deutlich südlicher als mein Beobachtungsort liegt (ich meine mal gehört zu haben, die Beobachtungsliste funktioniert für einen Ort auf ca. 40° nördlicher Breite). Es geht also hier darum, in einer Nacht so viele Messier-Objekte wie möglich zu beobachten. Aus himmelsmechanischen Gründen kommt dafür nur eine Nacht in Frage , die in der Nähe des Frühlingsäquinoktikums liegt. Dann könnenn kurz nach Sonnenuntergang evtl. noch die Spätherbst-/Frühwinterobjekte gesehen werden, während kurz vor Sonnenaufgang die Spätsommer-/Früherbstobjekte sichtbar sind. Die restlichen Objekte verteilen sich über die gesamte Nacht. Diese sollte idealerweise klar bis in Horizontnähe (es gibt viele Objekte im Schützen und Skorpion) und mondlos sein. Und an einem Wochenende natürlich, denn als berufstätiger Mensch kann man sich nicht die ganze Nacht um die Ohren schlagen und dann am nächsten Morgen wieder motiviert losarbeiten.

Das sind ziemlich viele Bedingungen auf einmal. Im März gab es einige sehr klare Nächte, diese hatten aber Temperaturen von -10°C und starken Wind. Da kann man zwar schön die Objekte sehen, ist dann aber am nächsten Morgen erfroren, so dass man sich nicht mehr an seinem Erfolg erfreuen kann. Die letzte Chance für 2018 war das Wocheende vom 6. - 8.4.2018. Laut Wettervorhersage eines bekannten Wetter-Onlineportals sollte die Nacht von Freitag auf Samstag sehr klar werden. Der Freitag war auch sehr klar, aber am späten Nachmittag zogen wieder Schleierwolken auf, die dann gegen 20 Uhr ziemlich dicht und flächendeckend waren. Vielen Dank für die "tollen" Vorhersagen, es war nicht das erste Mal, dass so ein Müll vorhergesagt wurde. Wenn andere Leute ihre Arbeit so machen würden... Auch in der Nacht und am Samstag waren zuerst noch viele Schleierwolken, die wurden aber am Nachmittag weniger und waren Abends ganz verschwunden, so dass ein Versuch gewagt werden konnte. Es war dann auch die ganze Nacht ziemlich klar, fast windstill und noch nicht einmal sonderlich kalt (minimal um 10°C). An meinem Beobachtungsort war Sonnenuntergang am 7.4. um 20:05 Uhr, die bürgerliche Dämmerung endete 20:40 Uhr, die nautische Dämmerung 21:24 Uhr und die astronomische Dämmerung 22:12 Uhr. Der Mond ging am 8.4. gegen 3:17 Uhr mit einer Phase von 50% (Halbmond) auf und wurde ab 3:45 Uhr störend. Er stand leider auch im östlichen Schützen, was das Auffinden der horizontnahen Objekte dort nicht einfacher machte. Die astronomische Dämmerung am 8.4. begann 4:31 Uhr, die nautische 5:19 Uhr und die bürgerliche 6:03 Uhr. Sonnenaufgang war 6:38 Uhr. Da ein Beobachen von Deep-Sky-Objekten erst nach dem Ende/vor dem Beginn der nautischen Dämmerung Sinn macht, stand als Zeitraum die Zeit von 21:24 Uhr bis 5:19 Uhr zur Verfügung. Das deckt sich ziemlich mit dem tatsächlich genutzten Zeitraum von 21:15 Uhr bis 5:26 Uhr. Als Beobachtungsorte diente der Balkon des Hauses Richtung SW-NW im ersten Stock, von wo am Abend bis gegen 23:25 Uhr die untergehenden Objekte des Winterhimmels beobachtet wurden. Die restlichen Sachen beobachtete ich von 23:30 Uhr an auf dem Anbaudach, von wo aus der gesamte Osthorizont von N über O nach S-SSW sichtbar ist. Lediglich die Richtung von NW nach N ist zu verbaut und verbaumt. Aufgrund der im vorhergehenden Abschnitt genannten Zeiten, vielen einige Objekte von vornherein aus der Liste(bezogen auf Ende/Beginn der nautischen Dämmerung). Zusätzlich konnten einige Objekte standortbedingt nicht gefunden werden:

  • M74, M77 und M79 waren am Abend schon untergegangen
  • M30, M54, M55, M69 und M70 waren am Morgen noch nicht aufgegangen
  • M33 und M76 waren standortbedingt am Abend im NW nicht sichtbar
  • M2 standortbedingt nicht sichtbar (hinterm Nußbaum des Nachbars)
  • M72, M73 und M75 nicht gefunden (zu tief, Mond in der Nähe)

Es konnten also doch 96 Objekte beobachtet werden, das ist ganz gut, finde ich. Visuell beobachtete ich mit dem Feldstecher und z.T. mit dem Pentax 75/500 SDHF. Fotografisch nahm ich die Canon EOS 40Da mit dem Canon EF 70-300 USM Objektiv, Brennweite eingestellt auf 200mm und Blende 5.6. Diese war auf der StarAdventurer Montierung befestigt. Ich hatte vor, von jedem Objekt 10 Aufnahmen a 30 Sekunden zu machen, bei wechselnden ISO-Empfindlichkeiten. Das konnte aber nicht durchgehalten werden, z.T. wurden es deutlich weniger Belichtungen. Die Zeit hätte sonst einfach nicht gereicht. Und das obwohl bei einigen Objekten ja durchaus mehrere auf ein Bild passten, z.B. im Virgo- Galaxiehaufen, aber auch einige andere. Die fotografischen Ergebnisse sind im Anschluss als Galerie zu sehen. Sie sind qualitativ eher schlecht, aber bei einem Messiernarathon geht es ja auch eher um die Quantität, nicht die Qualität. Einige sind auch leider unscharf, da sich der Fokus beim verwendeten Objektiv sehr leichtgängig ist und sich z.T. schon durchs Eigengewicht verstellt, wenn das Teil Richtung Zenit gerichtet wird. Das merkt man dann leider auch nicht sofort. Aus diesem Grund habe ich bei M61 und M102 etwas geschummelt und eigene ältere Bilder mit ähnlicher Ausrüstung verwendet. Die Originale waren so unscharf, da war zwar noch zu erkennen da ist was, aber mehr auch nicht.