Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Begegnung im Nebel

Die totale Mondfinsternis am 28. September 2015

Endlich war es mal wieder so weit: Nach einer Wartezeit von mehr als 7 Jahren gab es wieder eine totale Mondfinsternis, die von Deutschland aus in voller Länge beobachtet werden konnte. Leider waren die zeitlichen Gegebenheiten nicht ganz so gut. Die Finsternis fand am sehr frühen Morgen des 28. September 2015, einem Montag, statt. Genauer gesagt begann die Kernschattenphase 3:07 Uhr (Zeiten in MESZ) und die Totalität um 4:11 Uhr. Mitte der Finsternis war 4:47 Uhr, Ende der Totalität 5:23 Uhr und Ende der Kernschattenphase um 6:27 Uhr. Die Mondfinsternis war die 26. Finsternis im Saros-Zyklus 137 und somit der direkte Nachfolger der Finsternis vom 16.9.1997, die ich seinerzeit auch beobachten konnte. Die Wettervorhersagen waren eigentlich ganz gut, da sich kurz vorher ein Hochdruckgebiet breitgemacht hatte. Allerdings bedeutet das Ende September nicht zwangsläufig schönes Wetter. Gerade in den dann schon kalten Nächten bildet sich gerne, mit besonderer Vorliebe bei astronomischen Ereignissen, Nebel oder (noch schlimmer) Hochnebel.

So ähnlich sollte es auch kommen. Ich stand gegen 2 Uhr auf, um die Ausrüstung noch aufzubauen. Da war noch alles klar. Aber gegen 2:30 Uhr kamen die ersten Nebelschwaden herein und tauten den ETX90, den ich eigentlich verwenden wollte, völlig zu. Da half auch die neu angefertigte Heizmanschette nichts, die war völlig überfordert. Föhnen half hier auch nicht viel, da wurde die vordere Platte zwar kurzzeitig frei, durch die Temperatur bekam man aber keine scharfen Bilder. Mittlerweile waren auch keine Sterne mehr zu sehen, der Mond aber schon noch. Allerdings wäre er bei den Sichtverhältnissen zur Totalität wohl nicht wahrnehmbar gewesen. Gegen 2:39 Uhr begann ich mit den Fotos. Manuell, denn das Notebook wollte ich der wässrigen Luft nicht aussetzen. Ich benutzte also vorerst dem Pentax 75/500 SDHF und die Samsung NX1000. Ohne Nachführung. Die Belichtungszeiten hielten sich noch in Grenzen, da die Kamera recht empfindlich ist.

Parallel dazu schleppte ich die mobile Ausrüstung (StarAdventurer, Kamera, Stativ, Tablet) zum Auto, um nach Osten auszuweichen. Dort sah es den Meldungen nach noch besser aus. Beim zweiten Gang zu Auto bemerkte ich plötzlich wieder Sterne. Ich ging also zurück in der Garten (zwecks Dunkeladaption) und beobachtete die Lage ein wenig. Es wurde in der Tat besser und immer mehr Sterne sichtbar. Der Mond war nun ungefähr zu 2/3 verfinstert. Ich beschloss bis zur Totalität abzuwarten und dann zu entscheiden. Der Trend hielt aber, der Nebel nahm ab und wich einer dünnen Dunstschicht bis in ca. 10-15° Höhe. Damit konnte ich leben. Gegen 4 Uhr wurde der beleuchtete Teil des Mondes sehr schmal und vor allem Richtung Zenit viele Sterne sichtbar. Den Anfang der Totalität nahm ich noch mit der Samsung auf.

Nun baute ich schnell den StarAdventurer auf, wieder mit dem Pentax 75/500 und nun der Canon EOS 7D. Das geht wirklich schnell, ich habe für den Instrumententausch weniger als 10 Minuten benötigt. Da die Montierung auch mit Mondgeschwindigkeit läuft, konnte man nun auch länger belichten. Visuell war die Finsternis recht dunkel, was wahrscheinlich auch am verbliebenen Dunst lag. Ein schöner dunkelroter Mond überm Südwesthorizont. Es waren nun die typischen Wintersternbilder zu sehen, im Zenit auch die Milchstrasse. Nachfolgend nahm ich nun alle 2 Minuten ein Foto mit 6 Sekunden bei 800 ISO auf. Interessant waren auch die Sterne, die um den Mond sichtbar wurden. Einer wurde sogar bedeckt und wieder freigegeben, währen der totale Phase. In der nachfolgenden Aufnahme, die eine Addition der Aufnahmen der totalen Phase ist, sind die Sterne Punktlinien, der bedeckte Stern ist am rechten Rand.

Kurz vor Ende der totalen Phase musste ich das Instrument an einen anderen Platz schaffen, da vom verwendeten Standort aus der Mond hinters Nachbarhaus verschwand. Auch dies dauerte nur 5 Minuten und musste vor Ende der Kernschattenphase noch einmal wiederholt werden. Die zweite partielle Phase fotografierte ich mit je 1/40 Sekunde Belichtungszeit bei 800 ISO alle zwei Minuten. Gegen Ende der Finsternis zog der Mond knapp über Bäume am Westhorizont hinweg und über die Antennen entfernterer Häuser. Ca. 10 Minuten nach dem Ende der Kernschattenphase verschwand der Mond hinter unserem Vordach (vom Garten aus gesehen, vom ersten Stock war er da durchaus noch sichtbar). Aber da hatte ich auch genug. Eigentlich die erste Mondfinsternis, die ich in Deutschland komplett von einem Standort aus sehen konnte. Meine Bekleidung war durch den niedergehenden Nebel deutlich nass, aber ich hatte ja mehrere Schichten an (ähnlich wie beim HTT). Nur die Schuhe konnten sich gegen Ende des nassen Rasens nicht mehr erwehren und ließen das Wasser rein. Das war aber eigentlich belanglos, es war ein sehr schöner Montagmorgen.

Als Nächstes sind hier einmal alle Aufnahmen der Finsternis zu einem kurzen Verlaufsfilm zusammengefasst. Die Helligkeitsschwankungen der ersten partiellen Phase sind den Nebelschwaden zu verdanken. Die Bewegung des Mondes vor den Sternen kann man auch hier während der Totalität erkennen.

Die Sternenbedeckung im Detail: Der Stern HIP 1121 (HD 964, BD+0021), Helligkeit 9,26 mag, wurde von 4.30 Uhr bis 4:44 Uhr vom Mond bedeckt. Hier ist der Stern kurz vor der Bedeckung und genau am Ende der Bedeckung zu sehen.


Hier ist noch eine Collage des Finsternisverlaufs. Die Hintergrundaufnahme entstand zur Totalität mit der Canon EOS 40Da und dem Walimex 8mm Fisheye. Sie wurde 40 Sekunden bei 1600 ISO belichtet. Der Mond ist dort neben dem Giebel des Hauses rechts zu sehen. Der Ablauf der Finsternis geht von Links nach Rechts.