Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Die Bedeckung des Sterns Yed Prior (Delta Ophiuchi) durch Asteroid (472) Roma

aufgenommen am Rasthof Langwedel

Am Donnerstag den 8.7.2010 gegen 23:57 Uhr UT trat ein sehr seltenes astronomisches Ereignis ein: Der helle Stern Delta Ophiuchi (2,8 mag) wurde vom Asteroid (472) Roma bedeckt. Da dieser zur Zeit ungefähr 13 mag hell ist wurde der Stern für 5 Sekunden einfach verschwinden (außer in großen Instrumenten). Dem Beobachtungsaufruf der International Occultation Timing Association (IOTA) folgend, machte ich mich an diesem Abend gegen 22:15 Uhr auf den Weg um in die Nähe der voraussichtlichen Zentrallinie zu fahren. Das ging von Celle aus relativ gut, da die nahe A27 von Hannover nach Bremen ziemlich rechtwinklig durch den berechneten Bedeckungspfad führt. Mein Ziel war der Rasthof Langwedel, den ich schon von der Beobachtung der Mondfinsternis vom März 2007 kannt. Für die 90km brauchte ich bis ca. 23:30 Uhr. Vor Ort baute ich dann mein Instrumentarium auf: den 75/500 Pentax SDHF mit der Canon EOS 40D, um eine ca. 10 minütige Belichtung mit feststehendem Objektiv zu tätigen. Wenn man eine Sternenstrichspur aufnimmt und den genauen Startzeipunkt (Funkuhr) und die Belichtungszeit kennt, kann man die Zeitpunkte der Bedeckung (Unterbrechnung der Strichspur) gut berechnen (da man die Pixellänge der Spur ins Verhältnis setzen kann). Das hatte ich zwei Nächte vorher schon mal geübt (am selben Stern mit manueller Belichtungsunterbrechung). Des Weiteren hatte ich noch einen 7x50 Feldstecher und das Handy als Stoppuhr zur visuellen Betrachtung dabei.

Die Belichtung mit dem Pentax und der Canon begann ich genau um 23:40:30 Uhr und lies sie bis 23:59:25 Uhr laufen. Ich selbst nahm gleich danach den Feldstecher und starrte auf den Stern, neben mir das Handy auf dem Autodach, um die Zeiten zu stoppen. Dummerweise gab es aber nichts zu stoppen, denn die Bedeckung fand hier nicht statt. Ich schaute noch bis gegen 0:05 Uhr, aber es kam nichts. Dann packte ich meinen Kram zusammen und wollte zurück fahren. Dummerweise hatte ich aber das Handy auf dem Autodach liegen lassen (das hatte sich deaktiviert, dunkles Handy nachts auf dunklem Autodach fällt auch nicht weiter auf). Das flog also in hohem Bogen in der ersten Kurve vom Dach, was ich aber nicht gleich merkte. Erst kurz vor der Auffahrt auf die Autobahn fiel mir auf, das das Handy nicht da ist. Ich hielt also an und begann die Suche, konsequenterweise am Beobachtungsort. Man sah allerdings nicht viel, da der Rasthof, wegen einer Baustelle, nicht so gut ausgeleuchtet war und ich mir logischweise auch einen Beobachtungsplatz gesucht hatte, wo wenig Licht war. Zum Glück hatten einige nette Leute auf dem Rastplatz eine sehr große Taschenlampe dabei, so dass ich das Handy reltiv schnell fand. Nun fuhr von dem Rastplatz aber während der ganzen Zeit genau ein LKW weg, und der hat wohl (im Gegensatz zum Asteroid) einen Volltreffer gelandet. Ich habe jetzt also ein sehr flaches Handy (aber wenigstens brauche ich die SIM Karte nicht sperren lassen und die SD-Speicherkarte funktioniert auch noch). Nach der Rückgabe der Taschlampe und der allgemeinen Heiterkeit über das flache Handy konnte ich also die Rückreise antreten, die ohne weitere Zwischenfälle verlief. Am nächsten Tag machte ich mich an die Auswertung der Beobachtung. An der Strichspur des Sterns war aber auch nach der Bildbearbeitung keine Bedeckung oder Abschwächung des Lichts zu erkennen, so dass ich leider nur eine Negativbeobachtung an die IOTA weitermelden konnte. Das ist aber bei solchen Ereignissen auch wichtig, da anhand aller Beobachtungen Rückschlüsse auf die Bahn und den Durchmesser des Asteroiden gezogen werden können.

Bei der späteren Internetrecherche konnte ich feststellen, dass relativ viele Beobachter das selbe Problem wie ich hatten (nicht das Handy, sondern die Negativbeobachtung). Der tatsächliche Bedeckungspfad lag wohl ein ganzes Stück nordwestlich des vorhergesagten Pfades und war außerdem wohl schmaler (keine 50km). Jan Hattenbach hat in eine Karte mit dem berechneten Pfad der Bedeckung, die von der International Occultation Timing Association (IOTA) bzw. Herrn Klös zur Verfügung gestellt wurde, die in den verschiedenen Internetforen angegebenen Beobachtungen eingetragen. Vielen Dank, das ich diese Karte hier verwenden darf. Rote Punkte sind negative Beobachtungen, grüne positive. Mein Beobachtungsplatz war knapp südlich von Bremen. Man kann hier schon erkennen, dass der Pfad ziemlich nach Nordwesten verschoben ist und wohl auch nicht so breit wie ursprünglich berechnet.

Autoren der Karte: IOTA bzw. Herr Oliver Klös und Steve Preston vom 3.7.2010, Jan Hattenbach vom 11.7.2010