Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Die totale Sonnenfinsternis vom 29.3.2006

aufgenommen in Kemer/Türkei

Am 29. März 2006 fand eine totale Sonnenfinsternis über Afrika und Kleinasien statt. In Deutschland war die Finsternis partiell zu sehen, wobei hier die Sonne zu 25 - 40 Prozent bedeckt zu sehen war.

In der Urlaubsregion an der türkischen Südküste um Antalya, Side und Alanya über Zentralanatolien Richtung Schwarzes Meer war eine totale Sonnenfinsternis von maximal 3,5 Minuten Länge zu sehen. Allerdings sagten die Wetterprognosen auch für diese Gegend nur eine Sonnenscheinwahrscheinlichkeit von ca. 60 % voraus.

Da die Gegend um Antalya relativ günstig zu erreichen ist, waren viele Sonnenfinsternistouristen in die Türkei unterwegs. So entschloss auch ich mich relativ kurzfristig, dem ekelhaften deutschen Winter für ein paar Tage zu entfliehen und es mit der Finsternis zu probieren. Ich buchte eine Reise nach Kemer, ca. 50 km südlich von Antalya und nicht weit der Zentrallinie der Finsternis. Auch andere Mitglieder des Fördervereins zog es in die Türkei, allerdings mehr in Richtung Side, welches direkt auf der Zentrallinie lag.

Die Tage vor der Finsternis waren dem Wetter nach gemischt, mal war es klar, mal gemischt bewölkt. Der Tag der Finsternis begann allerdings sehr klar und versprach auch so zu bleiben. Der schneebedeckte lykische Olymp lag wie zum Anfassen vor einem und es sah sehr gut aus. Allerdings waren es noch ein paar Stunden bis zum Beginn der Finsternis.

Gegen 12:00 Uhr ging es dann aufs Zimmer um das Equipment zu holen. Das Hauptinstrument war diesmal der MEADE ETX 90 in Verbindung mit einer Digitalkamera Casio QV-R4, mit der ich durch das Meade Super Plössl Okular fotografierte. Des weiteren kam als Notausrüstung noch eine (analoge) Fotokamera mit einem 270mm Tele zum Einsatz. Das Wetter war immer noch sehr gut, nur um die schneebedeckten Berge hatte sich ein paar Wolken gebildet, die aber nicht in Richtung Sonne zogen.

Auf der Hotelterasse hatten sich schon viele Sonnenbeobachter mit Finsternisbrillen, aber auch mit Teleobjektiven und kleineren Teleskopen versammelt, auch das Hotelpersonal war stark vertreten. Da mein Instrument das mit der höchsten Vergrößerung war, sah ich auch den ersten Kontak, um 12:35 Uhr. Nun konnte man sehr schön die partielle Phase der Finsternis beobachten. Mein ETX erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, darin war die zunehmende Bedeckung auch sehr schön zu sehen. Gegen 13:30 Uhr wurde es deutlich kühler und auch die Beleuchtungsstärke nahm jetzt stark ab. Man musste nun was übers T-shirt ziehen, vorher konnte man Sonnenbaden! Einige Cirruswolken bildeten sich, die aber glücklicherweise überm Meer blieben.

Gegen 13:45 Uhr war es schon ziemlich düster, das grünliche Licht wie bei der Ringförmigen Sonnenfinsternis tauchte die Gegend in ein surreales Licht und über dem Meer waren fliegende Schatten zu sehen. Die Sonnensichel wurde nun schnell kleiner und gegen 13:54 Uhr sah man einen kurzen Diamantring, dann war es dunkel, so ungefähr wie im Juli in Norddeutschland gegen Mitternacht. Die schön strukturierte Korona erschien. Es sah aus wie bei später Dämmerung, am Horizont war es heller, aber über uns war Dunkelheit. Anfangs schenkte ich der Umgebung weniger Beachtung sondern machte erst mal Fotos durch ETX und die Kamera. Im ETX war die innere Korona sehr schon zu sehen, auch einige Protuberanzen waren sichtbar. Da der Himmel sehr schön klar war, konnte man alles mit faszinierenden Details sehen. Nach ca. 1,5 Minuten Totalität stellte ich den ETX den anderen Beobachtern auf der Terasse zur Verfügung und liess die Stimmung auf mich wirken. Es war einfach genial. Die Korona war sehr ausgedehnt, unsymmetrisch mit vier bis fünf hellen Strahlen. Es waren einige helle Sterne sowie Venus und Merkur zu sehen. Mir fiel auch auf, das die Straßenbeleuchtung angegangen war. Von der Stille war allerdings nicht viel merken. Auf der Hotelterasse herrschte eine eher ausgelassene Stimmung. Die vielen erfreuten Sonnenfinsternistouristen, von denen wohl viele die erste totale Sonnenfinsternis sahen (wie ich auch), noch dazu bei dem Wetter. Auch das Personal feierte kräftig mit.

Nach viel zu kurzen 3 Minuten erschien wieder der Diamantring, die totale Phase war (leider) vorbei. Auch das Zurückziehen des Mondes von der Sonne konnte man sehr gut sehen. Hier war aber nun schon mächtig Feiern angesagt (Wein, Raki etc.) und es wurden eifrig die faszinierenden Erfahrungen ausgetauscht. Nun wurde es auch langsam wieder wärmer. Um 15:09 Uhr war der letzte Kontakt, die Finsternis war vorbei. Es war ein sehr intensives Erlebnis, sicher auch wegen der tollen Stimmung und des tollen Wetters. Es sei noch gesagt, das der folgende Tag fast bedeckt war ...

Und zum Abschluss ist hier noch eine Collage des gesamten Verlaufes.

Zu guter letzt kommt hier noch ein kurzes Video zur Finsternis.