Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Die ringförmige Sonnenfinsternis vom 15.1.2010

aufgenommen im Hotel Club Faru auf den Malediven

Das war wieder typisch: die ganze Woche war im Club Faru auf den Malediven wunderschönes Wetter gewesen mit nur ganz wenigen Wolken und selbst die waren zumeist nur am Nachmittag vorhanden. Und dann steht einmal ein Jahrhundert-, nein, sogar Jahrtausendereignis an und es sieht so aus:

Aber jetzt mal der Reihe nach: Am 15. Januar 2010 fand längste ringförmige Sonnenfinsternis des 3. Jahrtausends statt. Allerdings nicht in Deutschland (da hätte es wegen des andauernden Mistwetters auch nichts gebracht), sondern im südasiatischen Raum. Der Punkt der Maximaldauer der Ringförmigkeit mit etwas über 11 Minuten lag wenig westlich der Malediven im Indischen Ozean. Aber selbst in Male, der Haupstadt der Malediven war die Ringförmigkeit mit ca. 10 Minuten und 50 Sekunden noch extrem lang. Also dachte ich mir, warum nicht dem fürchterlichen Januarwetter entfliehen (was, wie sich herausstellte, in diesem Jahr noch besonders extrem mies war) und einen Urlaub in den Süden machen und sich nebenbei noch die SoFi ansehen. Also wurde eine Reise auf die Malediven in den Club Faru gebucht. Diese kleine Insel liegt in der Nähe von Male und war ziemlich nah an der Zentrallinie der Finsternis. Die Anreise auf die Malediven war aber auch schon mit Schwierigkeiten verbunden. Z.B. eine nahende Schnnefront in Frankfurt. Normalerweise wäre das nicht schlimm gewesen, da ich meinte zu dem Zeitpunkt über den Wolken zu sein. Aber dummerweise war die Schubumkehr des Flugzeugs defekt, so dass bis zur Reparatur ca. 5 Stunden Verspätung zusammenkamen. Dann klappte natürlich auch der Anschluss in Sri Lanka nicht, man muss aber gerechterweise dazusagen, dass die Fluggesellschaft in Sri Lanka ein Hotel besorgt hatte und alles gut organisiert hatte. So konnte man sich die Umgegend von Colombo noch mal ansehen. War nur nicht so gut in Winterklamotten bei 30°C und hoher Luftfeuchtigkeit. Insgesamt kam ich mit 12 Stunden Verspätung an.

Die ganze Woche war eigentlich schönes Wetter, nur am letzten Urlaubstag, dem Tag der Finsternis, sah es schon am frühen Morgen stark bewölkt (siehe oben) aus. Der Finsternisbeginn war gegen 10:16 Uhr Ortszeit, so dass man schon am frühen Morgen ab 9:00 Uhr seine Ausrüstung aufbauen musste. Mit in den Urlaub genommen hatte ich den Coronado PST der Sternwarte Zwickau und meinen Meade ETX 90 mit Sonnenfilter. Als Kamera diente die EOS 40D. Des weitern hatte ich noch die Kompaktkamera Canon Powershot SX200 IS zur Hand, hauptsächlich für Umgebungsaufnahmen, aber mit 12x optischem Zoom kann man das Teil auch mal auf die Sonne halten (bei stärkerer Bewölkung) oder durchs Okular fotografieren. Als Notfallszenario hatte ich auch noch eine alte Analogkamera mit 300er Objektiv und Sonnenfilter dabei. Die ebenfalls vorhandene Finsternisbrille stellte ich der Allgemeinheit am Strand zur Verfügung.

Neben mir waren, entgegen aller Erwartung, nur noch zwei weitere Hobbyastronomen auf der Insel, nämlich Doris und Gaby Istrate von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie. Sie hatten ungefähr das gleiche Instrumentarium wie ich mit, allerdings auch einiges mehr an Zubehör, z.B. ein zweites Stativ, so dass sie mit zwei Instrumenten gleichzeitig beobachten konnten. Zwischen uns entwickelte sich aber ein reger Erfahrungsaustausch, vor allem, da sich das Fokussieren am Coronado als ziemlich schwierig erwies. Visuell ging es ganz gut, aber die Kamera am Okular des Coronado scharf zu bekommen, war schon eine Kunst (oder besser gesagt ein Glücksspiel).

Als erstes stand nun die schwierige Entscheidung an, welches Instrument man benutzen sollte, da ich nur ein Stativ dabei hatte und ein ständiger Wechsel der Instrumente zu zeitintensiv ist. Eigentlich wollte ich ja den Coronado nehmen, aber bei dem sieht man schon bei leichter Bewölkung nichts mehr, und bei all den Wolken an diesem Tag... Deswegen baute ich nun den ETX auf, da dieser ja mit einem Sonnenfilter ausgestattet war, den man bei starker Bewölkung auch mal abnehmen kann. Natürlich nicht zum durchschauen (wer möchte schon sein Augenlicht riskieren?) nur zum Fotografieren über den Kameramonitor. Mittlerweile regnete es einige Tropfen...

Ca. 5 Minuten vor dem ersten Kontakt verzogen sich erstaunlicherweise viele Wolken, so dass man den Beginn der Finsternis ganz gut sehen konnte. So blieb es auch erst mal ca. 1,5 Stunden. Die partielle Zunahme der Bedeckung war sehr gut zu verfolgen, auch wenn manchmal eine dünne Wolke vorbeiflog. Es gab mal wieder Sonnenflecken zu sehen, was zuletzt eher ein rares Phänomen war. Kurz vor 12 Uhr war dann schon eine merkliche Abnahme der Helligkeit und auch der Temperatur zu spüren. Die Ringförmigkeit sollte vom 12:21 Uhr bis 12:31 Uhr dauern. Aber bis dahin war es noch weit,es waren immer noch genug Wolkentürme vorhanden. Auf zwei nordwestlichen Nachbarinseln sah man heftige Schauer niedergehen. Und dann passierte es, dies hier zog vor die Sonne:

Eine dicke, fette Gewitterzelle blockierte für die nächste Zeit die Sonne. Es wurde 12:05 Uhr, 12:10 Uhr, 12:15 Uhr, aber dann, ganz plötzlich gab die Wolke die schon stark verfinsterte Sonne wieder frei. Sofort stürzte ich zum ETX. Der zweite Kontakt konnte bei superklarem Himmel beobachtet werden, inklusive einer tollen und relativ lang andauernden Perlschnur. Nun stand ein toller, aber noch unsymmetrischer Feuerring am Himmel. Es war nun auch merklich dunkler und kühler.

Leider zogen dann auch während des Feuerrings immer wieder Wolken durch, so dass Fotografieren schwierig war. Des Astronomen Leid war aber des Strandbesuchers Freud: Dank der Wolken konnte der Feuerring von allen Strandbesuchern auch ohne Spezialbrille gut gesehen werden und rief Begeisterung hervor. Ich fotografierte teilweise mit der Canon SX200IS und dann auch noch mit dem ETX ohne Filter. Auf der nicht weit entfernten westlichen Nachbarinsel war im Übrigen die ganze Zeit Top- Wetter!

Gegen 12:30 Uhr neigte sich der inzwischen schon wieder unsymmetrische Feuerring seinem Ende zu. Mit dem ETX gelangen mir aber ohne Filter aber noch sehr schöne Aufnahmen des 3.Kontaktes inklusive der Perlschnur. Etwa 10 Minuten nach dem 3. Kontakt zogen dann alle Wolken ab, der Himmel war frei ...

So frei, dass ich mich entschloss, den ETX abzubauen und die restliche Finsternis mit dem Coronado zu beobachten. Das klappte auch sehr gut. Den gesamten Verlauf der nun wieder dicker werdenden Sonnensichel konnte ich mit dem Coronado gut dokumentieren. Gegen 14:20 Uhr gab dann der Mond die Sonne wieder vollständig frei, die Finsternis war beendet. Nun lag auch der Strand wieder im hellen Sonnenlicht und die Temperatur war auch wieder bei den gewohnten 30 Grad.

Hier kommen noch zwei Detailansichten der Sonnenflecken und der Protuberanzen

Natürlich konnte man auf den Malediven auch sehr viele andere Dinge tun, nicht nur die Sonnenfinsternis beobachten. Man konnte schön faul in der Sonne rumliegen. Oder Schnorcheln gehen, was auch sehr viel Spaß machte. Es gab viele bunte Fische zu sehen und der Gang ins 28 Grad warme Wasser kostete auch keine Überwindung. Aber auch die Nächte blieben nicht ungenutzt. Da es hier schon ziemlich südlichen Himmel gab und die Nächte zumeist klar waren machte ich einige Fotos mit feststehender Kamera. Als erstes einmal ein Foto vom Eta Carinae Nebelkomplex (NGC 3372) und dem Offenen Sternhaufen NGC 3532. Es wurde mit dem 2.8/135 Teleobjektiv 4 x 10 Sekunden bei 3200 ISO belichtet.

Auch das Kreuz des Südens war gut zu sehen, es wurde hier mit der gleichen Ausrüstung und Belichtungszeit wie das vorhergehende Foto aufgenommen. Deutlich zu erkennen ist auch das 'Schatzkästchen' (NGC4755) ein Offener Sternhaufen.

Die Große Magellansche Wolke hingegen steigt auch auf den Malediven nicht hoch über den Horizont. Außerdem war sie nur ganz knapp gegen Ende der Dämmerung zu sehen und stand von der Richtung her auch noch bei Male, und da war es ziemlich hell. Das Foto wurde mit der Canon EOS 40D und einem 1.8/50 Objektiv aufgenommen und bei 1000ISO 3x20 Sekunden belichtet.