Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Reisebericht Teneriffa 10.11.2019 bis 01.12.2019


Im November 2019 war wieder einmal ein Teneriffaurlaub angesagt. Diesmal etwas länger, da sowohl der Merkurtransit am 11.11. als auch ein persönliches Ereignis Ende November im Urlaubszeitraum liegen sollten. Der Merkurtransit war natürlich das astronomische Highlight des Urlaubs, der Beobachtungsbericht und die Ergebnisse dazu kann man hier ansehen.

Zur Nachtbeobachtung fuhr ich diesmal nur an drei Nächten in die Caldera des las Cañadas zum Mirador de Chio. Hauptsächlich für Übersichtsaufnahmen der Milchstraße und zur visuellen Beobachtung. Die noch sommerliche Milchstraße war wirklich beeindruckend (obwohl der Skorpion jahreszeitbedingt schon fehlte). Wenn man das mit hier vergleicht, na ja... Man konnte z.B. M33 oder den Nordamerikanebel locker mit bloßen Auge sehen. Allerdings war es dort auch ziemlich kalt, so um die 5°C, was mir einen längeren Aufenthalt bis in die zweite Nachthälfte zur Deep Sky Fotografie verleitete. Frieren beim Beobachten kann ich zu Hause genug, im Urlaub brauche ich das nicht noch. Man hätte auch in der zweiten Nachthälfte dort hinfahren müssen, denn die paar Herbstobjekte, die in der Reichweite meiner Ausrüstung lagen, waren an einem Abend abgearbeitet. Ich muss noch dazu sagen, dass die Fotografie sich auf Objekte konzentrierte, die in Deutschland nicht sichtbar sind oder nur nah am Horizont. Für z.B. die Andromedagalaxie und die Nebel in der Kassiopeia oder dem Perseus muss ich nicht nach Teneriffa fliegen. Am Abendhimmel betraf das also hauptsächlich einige helle Galaxien im Bildhauer und im Chemischen Ofen. Die in Teneriffa außerdem sichtbaren Herbststernbilder Kranich und Phönix enthalten keine hellen DeepSky-Objekte.

Des weiteren hatte ich eine Periode mit relativ klarem Himmel auch auf Küstenniveau, so dass Deep Sky Fotografie vom Balkon aus möglich war. Das Fremdlicht hielt sich auch in Grenzen und entsprach in etwa dem im heimischen Garten. In Südrichtung blickte man ohne weitere Gebäude dazwischen direkt aufs Meer, so dass direktes Fremdlicht kein Thema war. Es war da zwar noch eine Straße mit Natriumdampf-Beleuchtung, aber da war der Balkon schon drüber und in der zweiten Nachthälfte war die machmal ausgeschaltet (nicht immer, ich habe da kein System erkannt).

Die Ausrüstung war zumeist der Pentax 75/500 SDHF auf der StarAdventurer Montierung. Als Kamera diente die ASI 294 MCPro. Aufgrund der Belastung der Montierung waren ohnehin nur Belichtungszeiten von 30-40 Sekunden möglich, was den Einfluss des Fremdlichts auch stark reduzierte. Für einige Objekte verwendete ich auch das Canon EF 70-200mm Objetiv. Als Aufnahmecomputer diente der kleine Toshiba Satellite Click Mini, welcher nicht der schnellste ist und der auch nur USB2 hat, weswegen die Bildübertragung immer etwas dauerte. Dafür hat er zwei Akkus, welche auch mal die ganze Nacht durchhalten, sogar mit der angeschlossenen ASI 294. Der Vorteil von diesem Beobachtungsort war, dass man auch die zweite Nachthäfte gut nutzen konnte. Wenn man zufällig wach wurde, mal schnell nachsehen ob es klar war und gleich loslegen war so gut möglich.

Die ersten Fotos am 16.11. nahm ich aber noch am Mirador de Chio auf. Das erste Bild zeigt den schon untergehenden Schützen in der Dämmerung über der Montaña de Cedro mit den drei Planeten (von unten) Venus, Jupiter und Saturn. Aufgenommen wurde es mit der Canon EOS M3 und dem Sigma 18-250 Objektiv. Die Brennweite war 18mm, belichtet wurde bei ISO 6400 und Blende 3,5 1/4 Sekunde freihändig.

Als 2. Objekt kam dann bis kurz vor seinem Untergang noch der Lagunennebel M8 dran. Dieser wurde mit dem Pentax und der ASI294MC Pro 35x30 Sekunden bei Gain 300 und -10°C Chiptemperatur aufgenommen. Dann waren kältebedingt die Finger taub, so dass ich mich ins Auto setzte und zurück ins Hotel fuhr.


Der zweite Beobachtungsabend am 18.11. ebenfalls auf dem Mirador de Chio diente zum Belichten der Panoramaaufnahmen der Milchstraße. Diese werden zur Zeit noch bearbeitet und werden demnächst hier noch zu sehen sein.


Der dritte Beobachtungsabend war dann der 19.11., diesmal bei angenehmen Temperaturen auf dem Balkon des Hotels, wo ich mit dem Pentax 75/500 SDHF und der ASI 294MCPro drei erste Aufnahmen von Galaxien im Sternbild Bildhauer (Sculptor) aufnahm. Als Erstes war hier die Silberdollargalaxie NGC 253 dran. Diese ist zwar auch noch vom heimischen Garten aus zu sehen, aber nur sehr flach überm Horizont, während sie hier in Teneriffa schon schon hoch steht. NGC 253 ist ca. 10 Millionen Lichtjahre entfernt und gehört zur Sculptor-Gruppe. Das Bild wurde 50 x 30 Sekunden bei Gain 300 belichtet.

Das zweite Objekt des Abends wurde dann die Galaxie NGC 55 (Sculptor-Galaxie). Diese ist nur etwa 6,5 Millionen Lichtjahre entfernt und liegt an der Grenze zwischen der Lokalen Gruppe und der Sculptor-Gruppe. NGC 55 ist von Mitteleuropa aus nicht sichtbar. Belichtet wurde 55 x 30 Sekunden bei Gain 300.

Auch das dritte Objekt des Abends, die Galaxie NGC 300, gehört zur Sculptor-Gruppe. Sie ist nur etwa 6 Millionen Lichtjahre entfernt und liegt an der Grenze zwischen der Lokalen Gruppe und der Sculptor-Gruppe. NGC 300 ist gravitativ an die nur 1 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 55gekoppelt und wie diese von Mitteleuropa aus nicht sichtbar. Belichtet wurde 40 x 30 Sekunden bei Gain 300.


Die vierte Beobachtungsnacht war dann die vom 22. zum 23.11., auch wieder auf dem Balkon des Hotels, wo ich mit dem Pentax 75/500 SDHF und der ASI 294MCPro arbeitete. Am Aben versuchte ich mich zuerst am bekannten Helixnebel (NGC 7293) im Wassermann, der hier in Teneriffa deutlicher höher überm Horizont steht, als im heimischen Garten. Belichtet wurde er 50 x 30 Sekunden bei Gain 300.

Kurz danach war noch der Kugelsternhaufen NGC 288 im Bildhauer dran, der zu Hause nicht mehr sinnvoll beobachtet werden kann. Er wurde hier 45 x 30 Sekunden bei Gain 300 belichtet.

Dann ging ich erst mal ins Bett und quälte mich wieder raus, als der Orion im Süden stand. Dieser steht in Teneriffa dann nämlich 60° überm Horizont. Und so wollte ich die Region um Alnitak mit dem Flammennebel (NGC2024) und dem Pferdekopfnebel (B33, in IC434) etwas länger ablichten. Es wurden dann 90 x 30 Sekunden bei Gain 390, bis die region hinterm Hotel verschwand. Auf dem Bild sind ebenfalls noch die Nebel NGC2023, IC431, IC432 und IC 435 zu sehen.

Die verbleibende Zeit der Nacht nutzte ich noch zur Aufnahme des Omikron-Velorum-Sternhaufens IC 2391, der von Mitteleuropa aus nicht sichtbar ist und auch in Teneriffa nur knapp überm Horizont steht. Der Sternhaufen ist ca. 500 Lichtjahre entfernt. Er wurde 41 x 15 Sekunden belichtet mit Gain 300. Nach dieser Aufnahme begann die Dämmerung und ich begab mich zurück ins Bett.


In der Nacht vom 25./26.11. nahm ich in der zweiten Nachthälfte nur ein Objekt auf, den Hexenkopfnebel IC 2118. Dieser liegt im zwar im Eridanus, reflektiert aber das Licht des Sterns Rigel im Orion. Der Nebel ist relativ groß, so dass ich nicht den Pentax zum Fotografieren nutzte, sondern das Canon EF 70-200 bei 200mm Brennweite. Als Kamera verwendete ich aber die ASI 294MCPro, obwohl bei einem Reflexionsnebel die unmodifizierte Canon EOS auch funktioniert hätte. Belichtet wurde 60 x 45 Sekunden bei Gain 300.

An diesem Tag wurde der Jupiter von der Venus überholt. Ab diesem Tag stand also Venus höher überm Horizont. Die relativ enge Begegnung konnte am Abend des 26.11. noch aufgenommen werden. Verwendet wurde die Canon EOS M3 mit dem Sigma 18-250 Objektiv. Brennweite war 61mm. Belichtet wurde bei 100 ISO 1/6 Sekunde.


Nach dem Neumond am 26.11. wurde am 27.11. der Mond im Alter von nur 27,6 Stunden wieder sichtbar. Hier ist eine Aufnahme mit der Canon EOS M3 und dem Sigma 18-250 Objektiv. Brennweite war 250mm. Belichtet wurde bei 1600 ISO 1/125 Sekunde.

Die allabendliche Planetenparade hatte so vorübergehend ein Mitglied mehr. Am 27.11. stand die hauchdünne Mondsichel aber noch deutlich unterhalb von Jupiter und Venus. Die Aufnahme entstand ebenfalls mit der Canon EOS M3 und dem Sigma 18-250. Brennweite hier war 51mm, belichtet wurde 1/40 Sekunde bei 800 ISO.

Am Abend versuchte ich mich dann zuerst noch einmal an NGC 55, diesmal wieder mit dem Pentax 75/500 SDHF und der ASI 294McPro. Die Galaxie wurde diesmal 60 x 30 Sekunden bei Gain 300 belichtet.

Das zweite Objekt der Nacht wurde dann NGC 1316 oder Fornax A. Diese 255000 Lichtjahre große und aktive Radiogalaxie ist die hellste im Fornax-Galaxiehaufen, der ca. 70 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Sie bildet ein gravitative gebundes Paar mit der benachbarten Galaxie NGC 1317. Es sind außerdem ein paar weiter Mitglieder des Galaxiehaufens auf dem Bild zu sehen. Die hellsten habe ich beschriftet. Von Mitteleuropa aus kann man das Ganze nicht sehen. Belichtet wurde 35 x 30 Sekunden bei Gain 300.


Der 28.11. war ein ziemlich wolkiger Tag. Zum Glück gab es abends beim astronomischen Highlight eine kurze Wolkenlücke. Der Mond stand genau zwischen Venus (oben) und Jupiter. Die Aufnahme gelang wieder mit der Canon EOS M3 und dem Sigma 18-250 Objektiv. Brennweite war 200mm, belichtet wurde 1/25 Sekunde bei 800 ISO.


Bei einem nächtlichen Ausflug auf den Balkon musste ich dann überrascehnd feststellen, dass am 29.11. gegen 5 Uhr der Himmel wieder sehr klar war. Erstaunlich nach der Bewölkung am Abend zuvor. Also hieß es schnell den Pentax mit der ASI 294 aufbauen und noch ein paar Aufnahmen machen. Übrigens die letzten des Urlaubs in der zweiten Nachthälfte. Zuerst waren die beiden von Mitteleuropa nicht sichtbaren Sternhaufen NGC 2451 (oben) und 2477 dran. Beide Fotos wurden 30 x 15 Sekunden bei Gain 300 belichtet.

Dann kamen noch zwei schwierigere Objekte an die Reihe, beiden ebenfalls von Mitteleuropa aus nicht sichtbar. Als Erstes der Offene Sternhaufen NGC 2579, welcher auch einen Emissionsnebel enthält, der hier in der Bildmitte zu sehen ist. Belichtet wurde 20 x 45 Sekunden bei Gain 300.

Das letzte Bild war dann noch eine Herausforderung: der Bleistiftnebel NGC 2736. Dieser steht auch in Teneriffa nicht sonderlich hoch über Horizont und ist auch nicht besonders hell. Erschwerend kam hinzu, dass die Bilder in der beginnenden Dämmerung gegen 6:30 Uhr aufgenommen wurden, es wurde während der Aufnahmen heller. So kamen noch 16 Bilder mit je 45 Sekunden Belichtungszeit bei Gain 300 zusammen. Der Nebel ist links außerhalb der Bildmitte zu erkennen. Auf den Rohbildern konnte ich ihn nicht sehen.


Am letzten Abend, dem des 30.11. machte ich nebenher noch ein paar Aufnahmen mit der ASI294 und dem Canon EF 70-200, diesmal mit 70mm Brennweite. Davon wurden allerdings nur zwei vorzeigbar. Als erstes die Gegend unterhalb von Beta Ceti (Diphda) mit den Galaxien NGC 247 und 253 und dem Kugelsternhaufen NGC 288. Belichtet wurde 50 x 30 Sekunden bei Gain 300.

Als Abschlußbild des Urlaubs kam dann noch einmal die Region um den Orionnebel (M42/43) dran. Der Flammen- und der Pferdekopfnebel sind auch drauf und ganz links am Rand der Reflexionsnebel M78. Die Region wurde bei 135mm Brennweite 58 x 30 Sekunden bei Gain 300 belichtet.