Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Der Merkurtransit vom 9. Mai 2016

aufgenommen in Celle

Man mag es ja kaum glauben, aber es gibt noch Hochdruckgebiete, die nicht nur einen Tag vorhalten. Und so eins noch genau zu einem astronomischen Ereignis, das hat Seltenheitswert. Diese seltene Konstellation trat aber Anfang Mai 2016 tatsächlich auf: Am Mittwoch vor Himmelfahrt (5.5.) machte sich ein Hochdruckgebiet breit, was auch bis weit in die Woche darauf Bestand hatte. Mit allem was dazugehört: angenehme Temperaturen, viel Sonne, wenig Wolken. Nur der etwas ruppige Wind war leicht störend. Hin und wieder bildeten sich Quellwolken (Schönwetterwolken) und ab und zu traten Schleierwolken auf. Diese waren aber bis Mittwoch der Folgewoche (11.5.) nur kleinräumig. So wie auf folgendem Bild vom Hamburger Hafengeburtstag vom 8.5. sah es am 9.5. auch noch in Celle aus: Klarer Himmel, starker, böiger Wind, ab und zu Quellwolken.

Der Transit begann in Celle um 13:12 Uhr (MESZ) mit dem 1. Kontakt, vollständig vor der Sonne war Merkur 13:15 Uhr (2. Kontakt). Der Austritt erfolgte 20:37 Uhr und 20:40 Uhr war Merkur vollständig von der Sonne weg. Sonnenuntergang am rechnerischen Horizont war 20:59 Uhr.

Ich hatte den Tag frei, da ich davon ausgegangen war, den Ort wechseln zu müssen. Aber das war ja zum Glück nicht der Fall. So hatte ich jedoch Zeit die Ausrüstung aufzubauen und zu testen. Fotografiert wurde in erster Linie mit dem Coronado PST Sonnenteleskop und der Astrolumina ALCCD QHY 5/II Kamera. Zuerst auf der EQ6-Montierung im Garten. Ab ca. 18 Uhr stand die allerdings im Schatten des Hauses, so dass ich das Instrument auf die Star Adventurer Montierung auf dem Balkon im 1. Stock umsetzte. Dort konnten noch Fotos bis 20:19 Uhr aufgenommen werden, dann verschwand auch hier die Sonne hinter Bäumen.

Bevor ich den Coronado auf die StarAdventurer umsetzte, hatte ich auf dieser den Pentax 75/500 SDHF mit Sonnenfilterfolie und er Canon EOS 7D zum fotografieren stehen. Und zur visuellen Beobachtung (und hin und wieder ein Bild mit der Canon EOS 40D) stand noch der MEADE ETX 90 (auch mit Sonnenfilterfolie) auf einem etwas wackeligem Fotostativ im Garten.

Belichtet wurde automatisch. Beim Coronado erledigte das die Software AstroPhotographyTool, mit der von 13:00 Uhr bis 13:30 Uhr alle 30 Sekunden, von 13:31 Uhr bis 14:01 Uhr alle 60 Sekunden und danach alle 120 Sekunden ein Bild aufgenommen wurde. Ein größere Lücke gab es hier nur beim Umsetzen des Instrumentes und kurz vom Ende des Transits, als die Sonne für 10 Minuten mal hinter Bäumen verschwand (aber danach noch mal auftauchte). Hier sind die Bilder vom Anfang des Transits von 13:13 Uhr bist 13:17 Uhr.

Alle bauchbaren Bilder vom Coronado PST sind hier mal zu einem kurzen Film zusammengefasst.

Das letzte Bild mit dem Coronado wurde 20:19 Uhr aufgenommen. Es zeigt den Merkur schon recht randnah zwischen Ästen eines Baumes ca. 150m entfernt. Die Sonne war auch shon vorher mal für 10 Minuten hinter einem Baum verschwunden. Außerdem gab es im Nordwesten auch ein paar Schleierwolken .

Aufnahmen im Weißlichtbereich wurden von mir natürlich auch aufgenommen. Dazu diente der Pentax 75/500 SDHF mit einem Sonnenfilter aus Sonnenfilterfolie und der EOS 7D. Zur automatischen Belichtung diente ein Zeitausköser, der am Anfang jede Minute, später alle zwei Minuten ein Bild aufnahm. Zuerst lief der Pentax auf der StarAdventurer Montierung (bis 18:09 Uhr). Dann wurde, wie schon erwähnt, der Coronado auf diese Montierung umgesetzt. Der Pentax hatte nu keine Nachführung mehr, lieferte aber noch bis 20:15 Uhr unregelmäßig Bilder von seinem neuen Standort vor der Garage. Dann verschwand die Sonne auch dort hinter Bäumen. Ich fuhr dann noch kurz aufs Feld und konnte dort dann noch das Ende des Transits von 20:30 Uhr bis 20:45 Uhr fotografieren. Allerdings dann zum Horizont hin schon durch dichter werdende Schleierwolken. Der Sonnenuntergang auf dem Feld war 20:50 Uhr, den schaute ich mir auch noch an.

Gegen Mitte der Finsternis passierte allerdings ein dummes Missgeschick. Der schon erwähnte, stark böige Wind riss den Filter vom Pentax ab. Da ich durchaus mit Wind rechnete, hatte ich den Filter schon mit Textilklebeband am Teleskop festgeklebt. Das wurde auch nicht abgerissen, sondern die oberste Schicht der Pappe des Filters (hergestellt nach der Bauanleitung bei der Sonnenfilterfolie). Das ganze geschah (zum Glück) kurz vor der Mitte des Transits gegen 16:48 Uhr. Anfangs bekam ich das nicht mit, da es sich um automatische Belichtungen handelte und ich zur Mitte (16:56 Uhr) am Coronado im Garten war (der Pentax stand auf dem Balkon). Gleich nach der Mitte ging ich aber nach oben, um zu sehen, ob die Bilder das was geworden waren und sah dann das Elend. Ich drehte das Instrument schnell aus der Sonne, machte den Filter wieder fest und belichtete weiter. Es waren nur drei Aufnahmen ohne Filter. Das hatte aber schon negative Folgen. Da ich zur Vibrationsverminderung mit 2 Sekunden Spiegelvorauslösung arbeitete, knallte der gebündelte Sonnenstrahl damit 3 x 2 Sekunden auf den Kameraverschluss. Dieser ist eigentlich aus Metall und kann das ab, der Lack darauf aber nicht. Der holte sich sozusagen einen Sonnenbrand und schmorte weg. Leider zog der Rauch in die Kamera und legte sich auf dem Sensor nieder, so dass die folgenden Fotos wie durch eine Wolkenschicht aufgenommen aussehen. Das ganze war im Zentrum des Sensors dichter, zum Rand hin war er noch fast sauber. Leider war das bei dem hellen Sonnelicht auf dem Kameramonitor nicht so ohne weiteres erkennbar, man sah da kaum was drauf. Und im Sucher sah auch weiterhin alles OK aus. Später, als mir das dann auffiel, versuchte ich die Sonne immer dezentral abzubilden. Die eigentliche Belichtungszeit war (auch mit Filter) 1/2000 Sekunde, das konnte der Sensor wohl ab, so dass dieser keine bleibenden Schäden behielt. Den Ruß konnte ich am Abend mit Isopropanol vom Sensor entfernen. Der Film zu den Weißlichtaufnahmen ist im folgenden zu sehen, ab dem Crash mit wechselnden Qualitäten.

Im Folgenden ist eine Collage zu sehen, mit dem Merkur an verschiedenen Positionen vor der Sonne. Im H-Alpha bereich bis 20:10 Uhr und im Weißlicht bis 18:40 Uhr.

Das nächste Bild ist kurz vor Sonnenuntergang und Ende des Transits um 20:35 Uhr mit einer Canon EOS 7D am Pentax 75/500 SDHF mit Sonnenfilterfolie aufgenommen. Merkur ist am unteren Sonnenrand. So nah am Horizont herrschte leichte Schleierbewölkung.