Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

lange Tropennacht

die Mondfinsternis vom 27.7.2018 aufgenommen auf dem "Hohen Berg" bei Syke

Die mit einer Dauer von 103 Minuten Totalität längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts fand in Norddeutschland unter leider nicht so optimalen geografischen Bedingungen statt. Der Mond ging erst kurz vor der Totalität auf und die Sonne unter, so dass noch ein sehr heller Himmel war. Schlecht um einen total verfinsterten Mond zu finden. Des weiteren fand die gesamte Finsternis tief am Südosthorizont statt. Zur Finsternismitte (immer noch in der Dämmerung) stand der Mond nur 6,5° hoch, am Ende der Totalität (die nautische Dämmerung war gerade beendet) stand er 11,3° überm Horizont. Selbst am Ende der partiellen Phase kam er nicht über 16° hinaus. Als besonderes Bonbon zu ohnehin langen Finsternis stand der Mars noch in Oppostion 5° unterhalb des Mondes. Wobei diese Marsoppostion einer der hellsten überhaupt war, der Planet leuchtete mit -2,8 mag heller als Jupiter, der nebst Venus und Saturn auch am Himmlestand. Zur Finsternismitte flog sogar noch die ISS vorbei.

Die Finsternis fand während einer längeren Schönwetterperiode statt, die schon fast ans legendäre Jahr 2003 erinnerte. Auch an diesem Tag sah es anfangs in Celle nicht schlecht aus, es waren maximal ein paar Quellwolken unterwegs. Die Außentemperatur lag über 35°C. Aber der Schein trügte, wie so oft. Am späten Nachmittag bildeten sich nördlich des Harzes Gewitterwolken aus, die sich nach Nordosten ausdehnten. Die Gewitter erreichten Celle nicht, der Himmel im Zenit und nach Norden war weiterhin klar, aber der süd- und südöstlich Horizont war bis zu einer Höhe von 40° bedeckt, so dass für die Finsternis kaum noch Chancen bestanden zumindest für den totalen Teil. Also ging es mal wieder ins Auto in nordwestliche Richtung, wie schon öfters. Diesmal fuhr ich gegen 20 Uhr los, Ziel war der "Hohe Berg" bei Syke südlich von Bremen. Dort gab es freie Horizontsicht, kaum Wolken und eine öffentliche Beobachtung. Pünktlich zum Sonnenuntergang kam ich dort an.

Es waren schon ziemliche Massen anwesend, es gab viele Beobachter mit Teleskopen und auch viele Leute, die mit Picknicksachen da waren, einfach um das schöne Schauspiel zu geniesen. Der Aussichtsturm war voll besetzt und auch auf der Straße unterhalb hatte ich Mühe noch eine Stellplatz für mein Teleskop zu finden. Hier mal ein Bild des Ortes zu späterer Stunde, die Blickrichtung ist Norden, der helle Ort ist Bremen.

Die Mondfinsternis war die 38. Finsternis im Saros-Zyklus 129 . Der Eintritt in den Kernschatten war 20:24 Uhr (MESZ), die Totalität begann 21:30 Uhr erreicht. Finsternismitte war 22:22 Uhr, Ende der Totalität 23:13 Uhr und Ende der partiellen Phase 00:19 Uhr. Danach konnte man im Halbschatten noch bis gegen 0:45 Uhr eine leichte Trübung erkennen. Theoretischer Mondaufgang an meinem Beobachtungsort war 21:19 Uhr, aber da war die Sonne noch nicht untergegangen. Den total verfinsterten Mond in der hellen Dämmerung zu finden, stellte sich als schwierig heraus. Alle sichtbaren Planeten, Venus, Jupiter und Saturn konnten vor dem Mond gesehen werden (Mars war da noch nicht aufgegangen). Vom Aufbau des Teleskops 21:30 Uhr bis zur ersten Sichtung des Mondes verging über eine halbe Stunde. In dieser Zeit konnte man sich aber gut mit einigen Leuten vor Ort unterhalten. Erst gegen 22:10 Uhr entdeckte ein Beobachter den sehr dunklen Mond, der da schon ca. 5° Höhe überm Horizont. Mein erstes Bild ist von 22:16 Uhr, da es auch im Kamerasucher nicht so einfach war, den Mond zu finden. Ich beobachtete übrigens mit dem Pentax 75/500 SDHF auf der StarAdventurer Montierung mit angeschlossener Canon EOS 77D. Für die Stimmungsaufnahmen verwendete ich die Canon M3 mit Reisezoomobjektiv. Das erste Bild wurde noch manuell ausglöst und ist deswegen etwas verwackelt. Später ab 22:30 Uhr machte ich automatische Aufnahmeserien.

Das erste eingermaßen vernünftige Bild wurde um 22:35 Uhr als eines der ersten der Belichtungsserie aufgenommen. Es herrschte immer noch Dämmerung. Der Mond war nach wie vor sehr dunkel, schwierig mit bloßem Auge zu erkennen.

Zur selben Zeit kam auch die ISS vorbeigeflogen. Die Raumstation ist der helle Punkt oben links, der verfinsterte Mond ist schwach unten rechts zu sehen. Die Aufnahme entstand mit der Kamera des Samsung S7. Man kann deutlich erkennen, dass immer noch Dämmerung herrscht.

Später ging der Mars dann auf und war sehr hell unterhalb des noch total verfinsterten Mondes zu sehen. Die Aufnahme entstand um 22:58 Uhr mit der Canon M3. Da ich in der Hektik des plötzlichen Aufbruchs kein zweites Stativ mitgenommen hatte, ist das eine Freihandaufnahme mit 1/10s Belichtungszeit bei 10000 ISO.

Als Nächstes sind hier einmal alle Aufnahmen der Finsternis zu einem kurzen Verlaufsfilm zusammengefasst.

Zum Schluss noch eine kleine Collage, welche die verschiedenen Phasen der Mondfinsternis abbildet.