Berichte und Fotos zumeist in Celle und Umgebung aufgenommen.

Reisebericht Teneriffa 5.6.2016 bis 17.6.2016


Teneriffa wurde von mir schon mehrfach besucht, da ich diese Insel immer noch allen anderen vorziehe, aber bisher immer nur im Herbst/Winter. Zum Wandern und für astronomische Beobachtungen gibt es zu ähnlichen Preisen kaum etwas besseres, selbst die (zumeist künstlich aufgeschütteten) Strände sind ok. Die Nachbarinsel La Palma ist natürlich auch noch eine Alternative, aber dort sind die Anfahrtswege auf den Roque des los Muchachos doch etwas zeitfressend. Mein Urlaubsort war Callao Salvaje an der Südwestküste nördlich der Hauptferiengebiete von Los Christianos, Playa de las Americas und Costa Adeje. Zum Beobachten ist diese Gegend wegen der Helligkeit natürlich nicht geeignet, aber man hat in Teneriffa ja andere Möglichkeiten. Die Frage stellte sich letztendlich aber gar nicht, da die ganze Urlaubszeit Westwinde (mal NW, mal SW) vorherrschten. Was ziemlich untypisch für die Kanaren ist (eigentlich NO-Passat). So hing denn auch zumeist eine lockere Wolkendecke auf der westlichen Inselseite an den Bergen, welche dem schönen Wetter tagsüber zwar nicht allzusehr schadete, aber die Beobachtung vom Küstenniveau aus generell verhinderte.

Allerdings hatte ich auch nicht vor, von der Küste aus nach den Sternen zu sehen, mich zog es in die ca. 2000m hoch gelegene Caldera de las Cañadas am Fuße des Teide. Im Vorfeld hatte ich mich schon nach Beobachtungsplätzen umgesehen und drei herausgesucht:

Der Aussichtspunkt am Corral del Niño liegt in der Nähe der Observatorien von Izaña. Dort gibt es eine sehr gute Aussicht in alle Richtungen, allerdings weht meist ein starker Wind und die Anfahrt war mir dann doch zu lang, da ich dorthin erst die gesamte Caldera durchqueren musste.

Meinen Hauptbeobachtungspunkt wählte ich daher näherliegend zum Hotel am Mirador de Chio an der westlichen Ausfahrt aus der Caldera. Dieser Mirador befindet sich in ca. 2070m Höhe ist war von meinem Hotel aus in ca. 35-40 Minuten zu erreichen. Außerdem kannte ich den Aussichtspunkt bei Nacht schon von Beobachtungen im Februar 2009. Von da aus hat man auch einen schönen Blick auf die Nachbarinseln Gomera, La Palma und El Hierro (hier ein Blick auf Gomera und El Hierro).

Der einzige Nachteil dieses Platzes ist, dass der Blick direkt nach Süden horizontnah durch die Montaña de Cedro verstellt ist. Deswegen nutzte ich an zwei Tagen auch noch einen ca. 200m tiefer gelegenen Parkplatz an der Montaña Samara. Von dort war auch das Kreuz des Südens und Alpha und Beta Centauri zu erkennen.

Die gewählte Urlaubszeit war im Bezug auf die Beobachtung schwacher Objekte allerdings nur suboptimal, da am 5.6. Neumond war und somit der Mond jeden Abend ein bisschen mehr zum Störfaktor wurde. Am Anreisetag selbst war ich erst gegen Abend im Hotel, so dass ich nicht mehr in die Caldera fuhr.


Der erste Beobachtungstag war somit der 6.6.. Ich fuhr gegen 20 Uhr nach dem Abendessen los und erreichte den Mirador de Chio gegen 20:40 Uhr. Die Sonne ging immer kurz nach 21 Uhr unter, so dass ich genügend Zeit zum Aufbau der Instrumente und zum Betrachten des Sonnenuntergangs hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich auf dem Mirador allein. Als Instrumente hatte ich den Pentax 75/500 SDHF auf der SkyWatcher StarAdventurer Reisemontierung dabei. Diese ist komplett mit Teleskopbefestigung und Gegengewicht ausgestattet. Der Pentax mit der Canon EOS 40Da ist aber ziemlich das Maximale, was an Gewicht der Montierung zugemutet werden kann und auch schon etwas wackelig. Man sollte das Gerät nach Start der Belichtung nicht mehr berühren. Zur Aufnahme der Bilder nutzte ich die Software APT auf meinem Toshiba Satellite Click Mini, was auch gut funktionierte. Belichtungen von bis zu 120 Sekunden waren damit, bei guter Einnordung der Montierung, möglich. Die Sonne tauchte die Caldera in ein schönes Licht, hier der Blick zum Sombrero und zum Guajara.

Da Teneriffa recht nah am nördlichen Wendekreis liegt und die Zeit um Sommeranfang war, stand die Ekliptik fast senkrecht auf dem Horizont und nach Sonnenuntergang war die Dämmerung recht kurz. Gegen 21:25 war auch schon der ca. 41 Stunden alte Mond zu sehen. Noch störte er nicht und ging auch schon während der späten Dämmerung unter. Zu diesem Zeitpunkt waren auch schon die drei Planeten Mars, Jupiter und Saturn und einige helle Sterne zu sehen.

Eine Chance das schwache Zodiakallicht zu erblicken hatte man eigentlich nur an diesem Tag, denn schon am zweiten wurde der Mond in Richtung Westen zu sehr störend. Und in der Tat, gegen 22:15 Uhr, kurz vor Ende der Dämmerung und Monduntergang konnte der steil stehende Kegel des Zodiakallichts deutlich gesehen werden. Es war bis in Höhe des Löwen (30°) sichtbar. Innerhalb des Zodiakallichts konnte man locker M44 sehen. Das Foto wurde mit der Canon 7D und dem Canon EFS10-18mm Objektiv bei 18mm Brennweite und 1600 ISO 5 x 40 Sekunden belichtet.

Nun begann ich auch mit dem Pentax zu fotografieren, zuerst versuchte ich mich am Kugelsternhaufen Omega Centauri (NGC 5139) und danach an der Galaxie Centaurus A (NGC 5128). Allerdings kam es danach zu einer Störung, da eine 'Teide by Night' Tour den Parkplatz ansteuerte. Diese Touren dienen dazu, auch mal astronomisch nicht so interessierten Besuchern den doch sehr beeindruckenden Sonnenuntgergang und den schönen Sternenhimmel nahezubringen. Also eigentlich eine gute Sache. Nur wenn man gerade Fotos macht, stört das Licht der Busse, was zum Aussteigen der Leute natürlich auch benötigt wird. Später wird das Licht dann aber ausgeschaltet und ein Reiseleiter erklärt den Leuten den Himmel mittels eines grünen Lasers. Das stört dann nicht mehr wirklich. An diesem Tag waren mir solche Touren aber noch neu (2009 gab es so etwas noch nicht) und ich räumte das Feld und fuhr zur Montaña Samara. Die Fotos von Omega Centauri (bei 800ISO 12 x 60 Sekunden belichtet) und Centaurus A (bei 1600ISO 11 x 60 Sekunden belichtet) sind hier:

Bei der Montaña Samara war dann auch das Kreuz des Südens zu sehen und ich versuchte mich mal am Offenen Sternhaufen NGC 4755 (Schmuckkästchen). Später nahm ich dann noch eine Serie Fotos der überm Teide/Pico Viejo aufgehenden Milchstraße auf. Das war auch visuell ein toller Anblick, da die Milchstraße hier den gesamten Osthorizont überspannte und sehr hell war. Echt spektakulär. Gegen 1 Uhr machte ich mich dann auf den Rückweg ins Hotel. Das Foto der Milchstraße wurde mit der Canon 7D und dem Canon EFS10-18mm Objektiv bei 15mm Brennweite und 3200 ISO 6 x 40 Sekunden belichtet. NGC 4755 wurde mit dem Pentax bei 800ISO 6 x 30 Sekunden belichtet. Die dunklen Bildbereiche sind Bäume in einiger Entfernung.


Auch am 7.6.fuhr ich am Abend wieder in die Caldera auf den Mirador de Chio. Diesmal waren aber noch weitere Astronomen anwesend, unter anderem mit Kameras und einem größeren Dobson Teleskop. An diesem Tag war ich erst nach Sonnenuntergang vor Ort (bin erst 20:45 Uhr losgefahren), das Aufbauen der Ausrüstung ging recht schnell. Hier ist mal ein Foto der Ausrüstung, der Pentax 75/500 auf der StarAdventurer Montierung und auf dem Tischstativ ist zu dem Zeitpunkt noch die Canon 40Da für Stimmungsaufnahmen.

Auch an diesem Tag begann ich mit Aufnahmen von Omega Centauri, da dieser auch schon in der Dämmerung und bei Mondlicht sichtbar war. Eine 'Teide by Night' Tour kam dann später auch noch, aber bis auf die Ein- bzw. Aussteigephase störte die eigentlich nicht, da der Reiseleiter die Leute auch dazu anhielt Lichter, Kamerablitze etc. nicht zu benutzen. Die Erläuterungen während des Vortrages waren auch recht lustig. Später fotografierte ich auch noch M83 (für einen Vergleich mit der kürzlich in Celle angefertigten Aufnahme) und den Katzenpfotennebel NGC 6334. Um Mitternacht, nach Monduntergang war die Milchstraße sehr hell und strukturiert über dem östlichen Horizont zu sehen. Man konnte locker M6, M7, M8, M11 und Omega Centauri mit bloßem Auge sehen.

Hier mal der Vergleich der Fotos von M 83 aus der Caldera und vom heimischen Celle aus, wobei dort am 4.5.2016 schon außergewöhnlich klarer Himmel war.

Das Bild von Omega Centauri wurde 20 x 40 Sekunden bei 1600 ISO belichtet.


Am 8.6. wurde nur ein kurzer Trip auf den Parkplatz bei der Montaña Samara unternommen, um ein paar Übersichtsaufnahmen vom Kreuz des Südens und Centaurus zu machen. Vorher hielt ich aber noch am Mirador nahe der Montaña Chinyero an, von dort hat man einen tollen Blick auf die Nachbarinseln Gomera, El Hierro und La Palma. Man konnte hier einen schönen Sonnenuntergang hinter der Caldera de Taburiente auf La Palma sehen.

Faszinierend war auch der Blick auf den Teide und den Pico Viejo.

Hier ist nun die Übersichstaufnahme vom Kreuz des Südens/Centaurus. Belichtet wurde mit der Canon EOS 7D und dem EF 2.0/35 mm Objektiv 19 x 30 Sekunden bei 400 ISO.


Obwohl am 11.6. schon fast Halbmond war, fuhr ich trotzdem wieder auf den Mirador de Chio, da man Offene Sternhaufen und Kugelsternhaufen auch ganz gut bei Mondlicht sehen kann. Auf dem Mirador angekommen, stellte ich fest, dass schon einige Leute da waren. Ein spanische Familie und eine englische Familie wollten wohl den tollen Sonnenuntergang ansehen. Als ich das Teleskop aufgebaut hatte, fand dies allgemeines Interesse. So konnten jetzt erst mal alle Anwesenden durch das Teleskop den Mond und den Jupiter ansehen (die standen an dem Tag auch nahe zusammen), später auch den Mars und den Saturn. Gegen 22-23 Uhr fuhren die Familien aber wieder weg, an dem Tag kamen auch keine Busse und auch (obwohl es ein Samstag war) fast keine Autos durch die Caldera. Als erstes DeepSky Objekt stellte ich den relativ großen offenen Sternhaufen NGC 5460 im Centaurus ein. Der sah auch visuell schon gut aus und hier ist das Foto, es wurde 12 x 40 Sekunden bei 1600 ISO belichtet.

Das nächste Objekt waren die zwei Kugelsternhaufen NGC 5927 (Sternbild Wolf) und 5946 (Sternbild Winkelmaß), die beide ins selbe Gesichtsfeld passten. NGC 5927 ist der hellere und größere Kugelsternhaufen. Belichtet wurde 16 x 60 Sekunden bei 1600 ISO.

Nun war der helle offene Sternhaufen NGC 6231 im Skorpion an der Reihe. Belichtet wurde 17 x 60 Sekunden bei 1600 ISO.

Da der Mond gegen 0:30 Uhr mittlerweile recht tief im Westen stand (die Milchstraße war trotz des Mondes problemlos sichtbar), versuchte ich mich noch mal an meinem Lieblingsobjekt, dem Katzenpfotennebel (NGC 6334). Dieser wurde 18 x 60 - 90 Sekunden bei 1600 ISO belichtet.

Nun baute ich den Pentax ab und benutzte das Canon EF35mm um ein Mosaik der südlichen Milchstraße zu erstellen, vom Skorpion/Wolf bis zum Schild. Dazu machte ich Aufnahmen von 5 Bildausschnitten von denen ich jeweils 5 Einzelaufnahmen zu 60 Sekunden Belichtungszeit und bei ISO 1600 aufnahm. Diese wurden dann aufaddiert und die einzelnen Bildauschnitte mit dem Microsoft ICE (Image Composite Editor) zu einem Panorama zusammengefasst. Die Ergebnisse sind hier (für die volle Auflösung bitte aufs Bild klicken):


Der 15.6. war mein letzter Abend am Rande der Caldera. An diesem Tag hingen wegen des W-SW Windes schon etliche Wolken an den Bergen. Die Auffahrt zur Caldera war aber noch nebelfrei, die Wolken reichten aber schon bis ca. 1400m Höhe. Zuerst fuhr ich wieder auf den Parkplatz Mirador de Chio, aber dort wehte heute ein mittlerer Sturm, so dass ich zum Parkplatz an der Montaña Samara zurückfuhr. Auch dort war noch ein sehr ruppiger, böiger Wind, aber nicht ganz so schlimm wie am Mirador de Chio. Heute war auch der gesamte Raum zwischen den Inseln Gomera, La Palma und Tenriffa voller Wolken, bis zur Meeresoberfläche konnte man nicht durchschauen. Von La Palma ragten noch die Gebiete ab. ca. 1600m über die Wolken (der Rand der Caldera de Taburiente und die Cumbre Vieja), von Gomera nur noch die oberste Spitze (Garajonay, 1487m). In der Wolkenoberfläche war auch eine richtige Wellenbewegung wahrnehmbar, was ziemlich gut aussah.

Da der Mond an diesem Tag schon zu 82% beleuchtet war, konnte man an nebelige Objekte natürlich nicht mehr denken. Offene- und Kugelsternhaufen kann man aber durchaus auch noch bei Mondlicht beobachten. Durch den ruppigen Wind und das dadurch leicht wackelnde Teleskop waren ohnehin nur Belichtungen bis 30 Sekunden möglich. Von den Aufnahmeserien konnte ich dann auch noch die Hälfte der Bilder pro Serie wegen Verwackelungen entsorgen. Die anderen, aus den Pausen zwischen den Böen, gingen aber. Auf dem Parkplatz an der Montaña Samara konnte man auch das Kreuz des Südens sehen, welches ich dann auch erst mal beobachtete(noch in der Dämmerung, aber richtig dunkel wurde es ohnehin nicht). Hier ist noch mal das Schmuckkästchen (NGC 4755) im Kreuz des Südens zwischen den Bäumen 7 x 20 Sekunden bei 400 ISO belichtet. Norden ist links. Das nächste Objekt, der Kugelsternhaufen NGC 5286 im Centaurus war schon einfacher zu beobachten, weil er nahe am 4 mag hellen Stern M Centauri (SAO241157) steht. Belichtet wurde 6 x 20 Sekunden bei 1600 ISO.

Dieses Mal kam ich sogar in den Genuss einer Teide by Night Tour in Deutsch. Allerdings ohne Milchstraße und schwache Objekte, da diese wegen der Helligkeit des Mondes nicht sichtbar waren. Aber die dort sichtbaren Sternbilder wie Skorpion und Centaurus sind ja auch für Besucher aus unseren Breiten auch schon etwas Besonderes. Und gerade eben stand sogar unser Nachbarstern Alpha Centauri knapp überm Horizont und sogar ziemlich hell. Hier nun ein Bild vom horizontnahen Alpha Centauri (Rigil Kent), am rechten Bildrand ist der Sternhaufen NGC 5617 zu sehen. Belichtet wurde 12 x 20 Sekunden bei 1600 ISO.

Als eines der letzten Objekte nahm ich noch den großen Sternhaufen M 7 ins Visier. Hier ist ein Foto, auf dem auch noch die offenen Sternhaufen Tr30 und NGC 6444 und der Kugelsternhaufen NGC 6453 zusehen sind.

Zum Schluss noch eine Aufnahme des Lagunennebels M8 6 x 20 Sekunden bei 1600 ISO belichtet. Die Rückfahrt zum Hotel gestaltete sich dann schwieriger als die Hinfahrt. Los gings bei sehr klarem Himmel und 15°C Temperatur. Ab 1400m bis ca. 1000m fuhr ich dann durch dichten Nebel, die Wolken reichten nun direkt an den Berg. Die Temperatur betrug auch nur noch 10 °C. Von Chio bis Adeje auf der Autopista fuhr man dann unter dichten Wolken, aus denen es sogar mal regnete. Zur Küste hin wurde es wieder besser, die Temperatur stieg auf 21°C und es gab auch mal ein paar Wolkenlücken. Das Ganze auf nicht mal 50 km Strecke.